Zurück zur Hauptseite Neues über die VFW 614 Schreiben Sie uns! Der Freundeskreis der VFW 614 Alles über die VFW 614

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Bilderbuchstart mit leisen Triebwerken

Erstflug der VFW 614 fand vor 30 Jahren statt / von Joachim Kruth

Dieses Jahr wiederholt sich zum 30. Mal der Jahrestag, an dem das erste westdeutsche Düsenverkehrsflugzeug, die VFW 614, zu seinem Erstflug abhob. Der 14. Juni 1971 war für die damaligen Vereinigten Flugtechnischen Werke-Fokker GmbH (VFW-Fokker) in Bremen der Höhepunkt einer 10-jährigen Entwicklungsperiode des jungen, westdeutschen Flugzeugbaus nach dem zweiten Weltkrieg. Mit zwei Prototypen der VFW 614 wurde anschließend die Flugerprobung durchgeführt und die Verkehrszulassung des 44-sitzigen, zweistrahligen Serienmusters im August 1974 erreicht. Im September 1975 erfolgte dann die Auslieferung der ersten Serienmaschine VFW 614, G4 an den Erstkunden "Cimber Air" in Dänemark. Der Bremische Flugzeugbau, hervorgegangen aus den Unternehmen Focke-Wulf und Weser-Flug hatte damit einen großen Erfolg verbucht.

Der Tag des Erstfluges der G1 begann mit Warten auf geeignetes Wetter. Jedem Flieger ist klar, daß Wolkenuntergrenze und Wind für ein so markantes Ereignis, wie ein Jungfernflug optimale Werte haben müssen. Ein Erstflug ist dabei flugtechnisch gesehen kein spektakulärer Vorgang, keine Flugschau. Das Flugzeug soll auch dabei keine Eckdaten erfliegen. Hier geht es um das Fliegen an sich. So wurde der gesamte Flug mit ausgefahrenem Fahrwerk durchgeführt. Gegen Mittag war es dann soweit. Nachdem der Direktor des Luftfahrtbundesamtes (LBA) der Programmleitung und Erstflugbesatzung Bordbuch und die vorläufige Verkehrszulassung überreichte, startete die D-BABA um 12.58 Uhr auf der Piste 27 des Bremer Flughafens nach 500m Rollen und mit 104 Knoten Abhebegeschwindigkeit in den Bremischen Himmel. Ein Bilderbuchstart mit den derzeit leisesten Triebwerken, die je auf einem Airliner montiert waren! Mehr als 2000 Werksmitarbeiter und rund 100 Journalisten aller Medien erlebten den Augenblick, an dem Projektpilot Leif Nielsen und Copilot Hans Bardill die 614 ihrem Element übergaben. Der Flug über Bremen dauerte 31 Minuten und wurde von einer Werksmaschine HS125 des Triebwerk-Herstellers Rolls-Royce begleitet. Für den Verfasser dieser Zeilen war der Start in besonders aufregender Erinnerung. Nach dem Abheben der G1 sagte der Tower-Lotse zu der Begleitmaschine: "Golf-Papa-Bravo, your baby is airborn". Auch viele Familienangehörigen standen am Flughafenzaun und sahen den Erstflug. Leif Nielsen und Hans Bardill waren mit den Flugeigenschaften während des Erstfluges sehr zufrieden.

Lange vor dem Roll-Out, am 5. April und besonders danach in unzähligen Überstunden und auch Nachtschichten, unter größter physischer und psychischer Belastung hatte die gesamte 614-Mannschaft - Entwicklung, Fertigung, Programmleitung und Flugerprobung - eindrucksvoll bewiesen, daß es sich lohnt, für ein Programm zu kämpfen, durch das sich Deutschland wieder internationale Bedeutung im Flugzeugbau erhoffen konnte. Als junge, Bremer Flugzeugbauer waren wir alle sehr stolz auf das erreichte Etappenziel zu einem zugelassenen Verkehrsflugzeug.

Nach dem erfolgreichen Erstflug der VFW 614 G1 sollte ab Juli 1971 in Bremen-Lemwerder eine etwa 18-monatige Flugerprobung beginnen. Das Erpobungsprogramm war aufgeteilt in die Hauptkapitel:

  • Überprüfung des flugmechanischen Verhaltens im gesamten Operationsbereich,
  • Funktions- und Zuverlässsigkeitsüberprüfung aller Systeme,
  • Leistungsvermessung (Performance),
  • Triebwerkserprobung

Für alle Erprobungspunkte mußten umfangreiche, meßtechnische Nachweise erbracht werden. Diese wurden an Bord des Flugzeuges und am Boden durch Aufzeichnungen mit einer Bord-Flugmeßanlage und Telemetrie-Sendern sichergestellt. Der Verfasser war maßgeblich an diesen Aufgaben beteiligt.

Der Erstflug der zweiten Vorserienmaschine G2 (D-BABB) war für den Herbst `71 vorgesehen (er fand am 14. Januar 1972 statt). Am 10. Oktober 1972 schließlich machte der dritte Prototyp G3 (D-BABC) seinen Erstflug. Programmziel waren die deutsche LBA-Zulassung und anschließend die amerikanische FAA-Zulassung für 1973 ... aber der Weg dorthin war steinig und das Schicksal hatte für die Bremer Flugzeugbauer noch so manche herbe Überraschungen parat ...

Firmen-Fotoserie des Erstfluges VFW 614 vor 30 Jahren, bereitgestellt von Herrn Hans Riedel, Pinneberg

16.6.2001

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